Lehrstuhl für Paläontologie & Geobiologie
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Unkalzifizierte fossile Makroalgen

M. Krings

Algen sind wichtige Elemente in vielen aquatischen Ökosystemen. Sie produzieren Sauerstoff und fungieren als Nahrungsgrundlage für wasserbewohnende Tiere. Ausgedehnte Bestände größerer Algen (z.B. Kelpwälder) werden von vielen Tieren auch als Versteck und Kinderstube genutzt. Aufgrund der biologischen und ökologischen Bedeutung der heutigen Algen ist eine möglichst vollständige Rekonstruktion ihrer Evolution und der Rollen, welche diese Pflanzen in früheren aquatischen Ökosystemen gespielt haben, von Bedeutung für unser Verständnis der Evolution aquatischer Ökosysteme insgesamt und der in ihnen ablaufenden biologischen und ökologischen Prozesse. Glücklicherweise werden Algen fossil häufig gefunden, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele fossile Formen heute gut untersucht sind. Bei diesen handelt es sich allerdings in erster Linie um Mikroalgen oder kalzifizierte Makroalgen (Kalkalgen), deren Körper durch Einlagerung von Kalk verhärtet und stabilisiert sind, und die deshalb ein hohes Fossilisationspotential besitzen.

3-abb-aAbb. A: Holotyp von Perissothallus versiformis, einer unkalzifizierten Makroalge aus dem obersten Oberkarbon von Kansas (USA); Maßstab = 2 cm. [aus: KRINGS et al. (2007), Bot. J. Linn. Soc. 153: 477–488]

Diejenigen Makroalgen, die ihre Körper nicht durch Kalkeinlagerungen verstärkt haben – die sogenannten unkalzifizierten Makroalgen – sind dahingegen fossil sehr selten. Nur unter optimalen Bedingungen sind sie erhaltungsfähig. Dieses Projekt befasst sich mit Abdruckfossilien unkalzifizierter Makroalgen aus Europa, Nordamerika (z.B. Abb. A) und dem Nahen Osten. Durch detaillierte morphologische Analyse der Fossilien wird versucht, diese in das bestehende System der Algen einzuordnen und über Vergleiche mit modernen Vertretern die fossilen Algen biologisch und ökologisch zu charakterisieren.

Vernetzung

u.a. Dr. Lothar Schöllmann, Westfälisches Museum für Naturkunde Münster; Prof. Dr. Thomas N. Taylor, University of Kansas at Lawrence, USA.

Förderung

z.T. Alexander von Humboldt-Stiftung.

Publikationen aus dem Projekt

KRINGS, M. (2005): Makroalgen. – In: A. HENDRICKS (Ed.), Als Hagen am Äquator lag. Die Fossilien der Ziegeleigrube Hagen-Vorhalle, pp. 210–215, Steinfurt, Sigma Druck.

KRINGS, M., BUTZMANN, R. (2005): Haeringiella multifidiformis gen. et sp. nov., an uncalcified alga from the lower Oligocene (Tertiary) of Bad Häring, Austria. – Bot. Jahrb. Syst. Pflanzengesch. Pflanzengeogr. 126: 177–186.

KRINGS, M., KLAVINS, S.D., LAUSBERG, S., BARTHEL, M., SERBET, R., TAYLOR, T.N., TAYLOR, E.L. (2007): Perissothallus, a new genus for Late Pennsylvanian-Early Permian noncalcareous algae conventionally assigned to Schizopteris (aphleboid foliage). – Bot. J. Linn. Soc. 153: 477–488.

KRINGS, M., MAYR, H. (2004): Bassonia hakelensis (Basson) nov. comb., a rare non-calcareous marine alga from the Cenomanian (Upper Cretaceous) of Lebanon. – Zitteliana A 44: 105–111.